Raumfahrt
Chinas nukleare Pläne für den Mond
Was nach Science-Fiction klingt, soll bald Realität werden: China plant einen Kernreaktor auf der Mondoberfläche.
Bis 2035 soll am lunaren Südpol ein kompakter Nuklearreaktor die International Lunar Research Station (ILRS) mit Strom versorgen. Chefingenieur Pei Zhaoyu skizzierte im April 2025 die Vision: Eine Kombination aus Solarenergie und nuklearer Basislast soll eine dauerhaft bewohnte Station ermöglichen. Der Reaktor wird gemeinsam mit Russland entwickelt und zwischen 2033 und 2035 automatisiert installiert.
Warum nicht nur Solar?
Selbst am Südpol wechseln Tag und Nacht in 14-Tage-Zyklen. Mondstaub verdunkelt Panels, Temperaturen schwanken extrem. Eine Forschungsstation braucht kontinuierlich Energie für Kommunikation, Lebenserhaltung und vor allem Wärme. Der Reaktor liefert unabhängig vom Sonnenlicht über Jahre hinweg etwa 40 Kilowatt und speist zusätzlich Heizkreisläufe.
Die Technologie basiert auf bewährten Kugelhaufen-Reaktoren. China betreibt seit 2023 in Shandong das erste kommerzielle Kraftwerk der vierten Generation. Der entscheidende Vorteil: Bei Störungen schaltet sich das System passiv ab, ohne Notkühlsystem.
Während die NASA parallel ihr „Fission Surface Power“-Programm vorantreibt, markiert Chinas Nuklearpfad einen Paradigmenwechsel: vom Experiment zur dauerhaften Mondinfrastruktur. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann.
In der November-Ausgabe des Space Magazins setzen wir unsere Serie „Chinas 5-Punkte-Plan für den Mond“ fort, und skizzieren den Nuklear-Reaktor auf dem Mond. Dieser wäre die erste Energie-Infrastruktur auf einem fremden Himmelskörper.

