Raumfahrt
Tiere als Messfühler: Icarus baut das Internet der Tiere auf
ICARUS verfolgt Tiere weltweit mit winzigen Sendern und Satelliten: Ziegen warnen vor Vulkanausbrüchen, Flamingos funken Flugdaten, und Geparden könnten Wilderer verraten. Das Projekt baut derzeit eine eigenständige Satellitenflotte auf.
Ziegen auf Sizilien warnen vor Vulkanausbrüchen, Flamingos in den Anden senden Flugdaten durchs All, und ein Gepard in Namibia könnte Wilderer in Echtzeit verraten. Das Projekt ICARUS – „International Cooperation for Animal Research Using Space“ – macht Tiere weltweit zu Messfühlern für ein revolutionäres Erdbeobachtungssystem. Ihre winzigen Sender funken an Satelliten in 520 Kilometern Höhe und liefern nicht nur Positionsdaten, sondern auch Informationen über Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Bewegungsmuster.
Das von Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie geleitete Projekt startete 2018 auf der Internationalen Raumstation. Zwei Kosmonauten montierten damals die ICARUS-Antenne in einem achtstündigen Außeneinsatz. Der wissenschaftliche Betrieb begann im September 2020 und verfolgte Hunderte Tiere aus 15 Arten. Die Daten zeigten etwa, dass Hudsonschnepfen ohne Zwischenstopp von Mittelamerika bis nach Texas fliegen oder Kuckucke von Indien den Indischen Ozean bis nach Afrika überqueren.
Nach Russlands Angriff auf die Ukraine endete die deutsch-russische Zusammenarbeit am 3. März 2022 abrupt. ICARUS stand ohne Empfänger im All da. Ein Neustart folgte durch die Kooperation des Max-Planck-Instituts mit dem Münchner Raumfahrtunternehmen TALOS. Die Empfangstechnik wurde drastisch verkleinert: auf einen zehn Zentimeter großen Würfel von rund einem Kilogramm. ICARUS passt seitdem auf Kleinsatelliten, sogenannte CubeSats. Die ganze Geschichte lesen Sie in der November-Ausgabe des Space Magazins.
